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___________ES GIBT PINSEL, DICKE UND DÜNNE
dicke-und-duenne-pinsel

 



 

Die Breite des Pinselstrichs und damit die Wahl des Pinsels ist abhängig von der gewählten Bildgröße: soviel zu den technischen Dingen meiner Bilder.

 

Ich beginne ein Bild, indem die weiße Leinwand zunächst farbig übermalt wird. So schaffe ich eine Situation, mit der ich umgehen kann. Die zuerst gewählte Farbe ist als solche relativ unwichtig. Sie ist für mich ”nur” wichtig als Angebot und Grund für die nächsten Farben. Ich kann überlegen, auf welche Farbe ich Lust habe, ähnlich wie man erst beim Durchblättern eines Kochbuches Appetit bekommt. Meine Bilder entstehen schichtweise, Stimmungen, Farben und Formen überlagern sich.

 

Mag sein, daß mich ein beiläufiger Gegenstand, eine Kleinigkeit angeregt hat und in die neue Realität meiner Bilder hineingesetzt wird. Diese Dinge verlieren in ihrer abstrahierten Form nun aber ihre zwingende Definition. Sie können vom Betrachter für eigene Ideen verwendet werden und machen Vorschläge, sich zu erinnern. Die Wiedererkennbarkeit spielt keine Rolle, da die Form jetzt Farbträger und nicht mehr Träger eines Begriffes ist.

 

Der Betrachter sollte versuchen, Denken und Sehen gleichzusetzen. Es gibt keine greifbaren Formulierungen in meinen Bildern, keine konkrete Aussage. Er kann aber versuchen, sich auf das Bild einzulassen und es direkt, ohne Umweg über die rationalen Wege unseres Gehirns, anzuschauen. Dann erübrigt sich die Frage nach der Erklärbarkeit meiner Bilder, da sich für uns beide eine Bildersprache eingestellt hat, die nicht in unsere verbale Begriffswelt zu zwängen ist.


Gudrun Emmert (2004)